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Gestern Stipendiat - und heute?
Guy Ben-Ner
Video-Künstler
Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2006/2007
"Manchmal bringt erst die Fiktion die Wahrheit ans Licht."
Öffentlichkeit und Familie, Politik und Privatheit, Philosophie und Provokation, Spaß und Anklage – bei dem israelischen
Video-Künstler Guy Ben-Ner geht das alles auf sehr kunstvolle Weise ineinander über. In Berlin lieferte der Künstler eine
Probe seiner Kunstform, die bestehende Grenzen souverän überwindet.
Ausgerechnet bei Ikea, dem Fetisch mitteleuropäischer Wohn-Gemütlichkeit, ließ sich Guy Ben-Ner samt Familie für
ein paar Stunden nieder. Möbel wurden gerückt, eine schwarze Fahne der Anarchie aufgehängt, die Küche in Betrieb
genommen – bis der Wachdienst kam. Dann ging es zur nächsten Ikea-Filiale. Berlin hat ja – welch Glück für
den Künstler – drei Filialen. Alles wurde per Video dokumentiert und wirkt durchaus sehr komisch. Die zum Teil nachträglich
aufgebrachte Tonspur erweitert die Aussage auf entscheidende Weise: Diskussionen um Eigentum und Diebstahl, um gesellschaftliche und
familiäre Macht, um Geld und Liebe. „Stealing Beauty“, so der Titel des Videos, wurde in der Berliner Galerie des DAAD gezeigt.
Als Guy Ben-Ner nach fünfjährigem New-York-Aufenthalt im Sommer 2006 nach Berlin kam, hatte sein Name international einen guten Klang.
Bei der Biennale in Venedig 2005 hatte der Israeli sein Heimatland mit dem Projekt „Treehouse-Kit“ vertreten, in dem Elemente der
Berliner Arbeit bereits zu erkennen sind: ein Baum aus Möbelteilen, der als Überlebensmöglichkeit in einer unwirtlichen Gegend
zu erkennen ist. Ein Robinson Crusoe der Neuzeit.
Begonnen hat der 1969 in Israel geborene Künstler seine Ausbildung als Maler am Hamdidrasha Art College, 2001 ging er an die Columbia University,
New York. Mit performativer Video-Kunst, mit ihm selbst und seiner Familie als Akteuren, ist Guy Ben-Ner bekannt geworden. „Manchmal“,
so sagt er, „bringt erst die Fiktion die Wahrheit ans Licht.“ Formale Einflüsse von Harold Lloyd, Charlie Chaplin und Buster Keaton
sind zu spüren. Immer wieder werden familiäre Zusammenhänge thematisiert, wie etwa in „Wild Boy“, wo sich der Israeli
mit der Beziehung zu seinem Sohn beschäftigt.
Geradezu populär wurde er mit einem Projekt im Sommer 2007 in der Fahrradstadt Münster. Dort stattete er Fahrräder mit Bildschirmen
und Video-Playern aus. Zu sehen ist der Künstler, wie er mit seinem Rad durch die Stadt fährt. Tempo und Richtung des Films kann der
Betrachter über die Pedale selbst steuern.
„Berlin ist eine sehr aufregende Stadt, gerade auch für Künstler“, findet Guy Ben-Ner. Darum ist er zunächst –
samt Frau und zwei Kindern, die in seinem Werk immer wieder eine Rolle spielen - in Berlin geblieben. Seine Werke sind 2008 in Warschau, Frankfurt,
London, Philadelphia und New York zu sehen. In Braunschweig hat Guy Ben-Ner eine Gast-Professur für Freie Kunst übernommen. „
Eine ganze neue Erfahrung für mich“, sagt der Künstler, „mal sehen, was daraus wird.“
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