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Struktur der DAAD-Programme

Die über 200 Programme des DAAD reichen vom kurzfristigen Austausch für Forschung oder Lehre bis zum mehrjährigen Promotionsstipendium eines Graduierten aus einem Entwicklungsland, vom Informationsbesuch einer ausländischen Rektorendelegation bis zum langfristig konzipierten Regionalprogramm zwecks Aufbaus leistungsfähiger Hochschulstrukturen in der Dritten Welt. Sie werden veranschaulicht in der Chronik des Jahres 2005 (Seite 41ff.) und auf der DAAD-Webpage (www.daad.de) näher vorgestellt. Im Folgenden sollen daher hier nur die übergreifenden Prinzipien erläutert werden, die die meisten dieser Programme prägen:

Unabhängige Auswahl nach Leistung
Der DAAD hat sich auch in kontroversen Zeiten zu einer Eliten-Förderung bekannt, die rein leistungsorientiert, von unabhängigen akademischen Kommissionen abgesichert und insofern offen für jedermann ist, der diesen hohen Ansprüchen genügt. Zu diesen Ansprüchen gehört neben geistigen Fähigkeiten auch ein Persönlichkeitsprofil, das die Erwartung erlaubt, der Stipendiat werde der Gesellschaft, die ihn fördert, direkt oder indirekt etwas vom Ertrag des Stipendiums zurückgeben. Natürlich ist dieser Anspruch nicht in allen (z.B. kürzeren) DAAD-Programmen gleichermaßen ausgeprägt.

Personen vor Projekten, Individuen vor Institutionen
Aus der Erfahrung, dass eine Investition in kluge Köpfe langfristig mehr Ertrag bringt als eine Förderung spektakulärer Projekte, steht im Mittelpunkt der DAAD-Programme der einzelne Stipendiat. Kluge Leute machen in der Regel kluge Sachen und bedürfen eher des Vertrauens als der Kontrolle, was wiederum die richtige Auswahl (und letztlich die Qualität der Auswählenden) zur Schlüsselfrage macht. Diese Personenorientierung schließt freilich nicht aus, dass die Hochschulen in die Mitverantwortung genommen werden (z.B. bei Austauschprogrammen) oder dass die Mobilität sich in einem thematischen oder disziplinären Rahmen vollzieht (z.B. Carlo-Schmid-Programm für Praktika in internationalen Organisationen).

Eigeninitiative und „bottom-up approach“
Nicht nur bei den Individual-Stipendien erwartet der DAAD die Eigeninitiative der Bewerber bei der Vorbereitung und Durchführung ihres Auslands- (bzw. Deutschlands-) Aufenthaltes: Auch die institutionellen Programme entwickeln sich in der Regel aus Anstößen, die aus den Hochschulen oder den Auswahlkommissionen, also von der „Basis“ kommen und dann mit den potenziellen Geldgebern verhandelt werden. Dies garantiert dann auch das notwendige nachhaltige Interesse und Durchhaltevermögen der Akteure. Durch den ständigen Zufluss neuer Anträge, die Diskussionen in den Auswahlkommissionen und regelmäßige programmbezogene (Evaluations-)Tagungen ist der DAAD mit den eigentlichen Akteuren vor Ort auf das engste verbunden.

Ausgewogene Fächerverteilung
Grundsätzlich sollen die DAAD-Programme für alle Fächer und Disziplinen gleichermaßen offen stehen, weil ein Gleichklang in der Entwicklung aller Wissenschaften wie auch des akademischen Nachwuchses die beste Vorsorge für eine unbekannte Zukunft ist. Dieses Prinzip ist freilich nicht immer durchzuhalten gegenüber den oftmals spezifischen, manchmal auch modischen Präferenzen einzelner Geldgeber im In- und Ausland. Für den DAAD gehört zum Prinzip der Fächerbalance im übrigen auch ein massives Engagement für den künstlerischen Nachwuchs in allen seinen Sparten; mit jährlich fast 2.000 Förderungen für In- und Ausländer ist der DAAD inzwischen Deutschlands größte Förderorganisation für junge Künstler.

Angemessene Regionalverteilung
Wie im Fall der Fächerbalance ist der DAAD auch bei der regionalen Verteilung seiner Programme, seiner Mittel und seiner Geförderten um eine möglichst breite Streuung über alle Länder bemüht, was gelegentlich mit Regional-Präferenzen von Geldgebern konfligiert. Freilich macht auch der DAAD – nach seinen eigenen Sachgesetzlichkeiten – Unterschiede zwischen den Ländern. Zu diesen quasi „endogenen“ Steuerungsfaktoren gehören die Nachfrage und Qualität der Bewerber (viele Deutsche wollen in die USA, umgekehrt gilt das leider nicht), die traditionellen Hochschul- und Wissenschaftsbeziehungen zu den jeweiligen Ländern (z.B. auch das „Vietnam-Erbe“ der ehemaligen DDR) und privilegierte politisch-kulturelle Beziehungen, wie etwa zwischen Deutschland und Frankreich. Während für Ausländer die Stipendienquoten in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt als Geldgeber politisch gesetzt werden, folgen sie bei den Deutschen grundsätzlich der jeweiligen (Länder-) Nachfrage. Dies schließt aber nicht aus, dass der DAAD zur Stimulierung einer politisch-fachlich erwünschten Nachfrage gelegentlich Sonderprogramme entwickelt (z.B. „Go East“ oder „Sprache und Praxis in China“).

Austausch statt Einbahnstraße: die internationale Lerngemeinschaft
Dem DAAD ist, wie schon sein Name seit 80 Jahren propagiert, an echtem Austausch, d.h. an Dialog, Zweibahnstraße, Gegenseitigkeit und internationaler Lerngemeinschaft gelegen: Nur so erwerben wir das Vertrauen und die Verbundenheit unserer Partner, und nur so haben wir auch für uns selbst den größtmöglichen „return on investment“. Die Rendite der Internationalen Lerngemeinschaft liegt nicht zuletzt in einer nachhaltigen Reformbereitschaft, die sich aus tätiger Anschauung, aus grenzüberschreitender Zusammenarbeit und aus internationalem Wettbewerb ergibt. „Wandel durch Austausch“ heißt deshalb auch das Motto des DAAD, und deshalb setzt der DAAD, trotz der zunehmenden nationalen und weltweiten Konkurrenz um Reputation („Ranking“), Ressourcen und kluge Köpfe („Bildungsmarkt“), zuvorderst auf eine Kooperation, die beiden Seiten Gewinne bringt.

Kontinuität und Verlässlichkeit
Internationale akademische Zusammenarbeit muss, wenn sie nachhaltig erfolgreich sein soll, von Kontinuität und Verlässlichkeit geprägt sein. Selbst kleinere Stipendienprogramme, wenn sie denn Jahr für Jahr angeboten werden können und auf diese Weise ein generationenumspannendes Netzwerk von Alumni schaffen, können dauerhafte und tiefgreifende Wirkungen haben. Deshalb fördert der DAAD lieber bescheidenere Programme auf Dauer als spektakuläre, aber kurzlebige Initiativen. Auch dieser Grundsatz muss gelegentlich gegen den wohlfeilen Vorwurf des „Besitzstandsdenkens“ verteidigt werden.

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