Female Leadership: Frauen stärken und Teilhabe fördern

Verlässliche Netzwerke und spezifische Angebote: Der DAAD unterstützt Frauen auf ihren Karrierewegen.

Bildungs- und Aufstiegschancen erhalten und Führungspositionen bekleiden: Ein Überblick darüber, wie der DAAD mit seinen Programmen und Angeboten Frauen dabei unterstützt, im Berufsleben erfolgreich zu sein und die Gesellschaft mitzugestalten. 

Seit Afghanistan wieder von den Taliban regiert wird, sind viele positive Entwicklungen aus zwei Jahrzehnten abrupt zerstört worden. Das betrifft auch die gesellschaftliche und politische Teilhabe von Frauen und anderen Bevölkerungsgruppen, wie ethnischen und religiösen Minderheiten. Ihnen werden grundlegende Rechte und Zugang zu Bildung verweigert. Bei Afghanistan handelt es sich um ein drastisches Beispiel. Es zeigt jedoch deutlich, wie wenig selbstverständlich es ist, dass Frauen und andere benachteiligte Gruppen gerechte Bildungs- und Aufstiegschancen haben und diese auch behalten. Doch solche Chancen sind eine wichtige Voraussetzung, um perspektivisch auch Führungspositionen zu bekleiden und Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nehmen zu können. 

Deutschland und andere Staaten berücksichtigen dies, indem sie sich zu einer feministischen Außen- und Entwicklungspolitik bekennen. Sie haben sich vorgenommen, vorherrschende Machtverhältnisse zu hinterfragen und die Bedürfnisse marginalisierter Gruppen in der Zusammenarbeit mit ihren Partnerländern stärker zu berücksichtigen. Dazu gehört auch, Personen aus benachteiligten Gruppen so zu fördern, dass sie langfristig Führungsfunktionen übernehmen und gesellschaftliche Prozesse mitgestalten können. „Female Leadership” nennt sich dieser Ansatz. 

Graphic Recording der Diversitätstagung 2023 des DAAD.

Der DAAD geht diesen Weg mit. In seiner Diversitätsagenda hat er sich konkrete Ziele gesetzt, um Chancengerechtigkeit und Vielfalt im internationalen akademischen Austausch weiter zu verbessern. Menschen, die in den Förderprogrammen des DAAD bisher unterrepräsentiert sind, sollen gezielt angesprochen und auf dem Weg ins Ausland unterstützt werden. Doch das Engagement greift noch weiter: „Female Leadership bedeutet für den DAAD, Frauen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Ziele zu erreichen und damit einen Beitrag zu einer gerechteren, gleichberechtigten Gesellschaft zu leisten“, sagt Nina Salden, Bereichsleiterin Strategie und Steuerung im DAAD. 

Selbst im Fall von Afghanistan ist das möglich. So unterstützt der DAAD seit 2023 mit einem spezifischen Programm vor allem afghanische Frauen, die in ihrer Heimat nicht mehr studieren dürfen, sowie Personen anderer benachteiligter Gruppen, ihre akademische Ausbildung im Ausland fortzusetzen. Über das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte Programm Empower Future Female Afghan Leaders (EFFAL) erhalten sie Stipendien für Studienaufenthalte in Kirgisistan, Bangladesch oder Pakistan. Auch junge Akademikerinnen und Akademiker, die aus Afghanistan fliehen mussten, sollen durch die Förderung auf künftige Führungsaufgaben in ihrem Heimatland vorbereitet werden. 

Weltweit müssen Frauen nach wie vor häufig hohe Hürden überwinden, um eine akademische Karriere einzuschlagen. Um ihre Position zu stärken, fördert der DAAD beispielsweise gezielt Frauen in Ländern des Globalen Südens. Im Surplace-/Drittlandstipendienprogramm, das Stipendien zur Ausbildung von Fach- und Führungskräften an Hochschulen im Globalen Süden beinhaltet, lag der Frauenanteil unter den Stipendiaten 2022 bei 44 Prozent. „Zugang zu höherer Bildung und internationalen Netzwerken spielt eine wichtige Rolle, um Frauen die Chance zu geben, sich in wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Prozesse einzubringen“, sagt Nina Salden. 

Den Aufbau von Kapazitäten im Bereich Hochschulmanagement unterstützt der DAAD beispielsweise mit dem DIES-Programm („Dialogue on Innovative Higher Education Strategies“), das gemeinsam mit der Hochschulrektorenkonferenz koordiniert wird. Es sieht Trainingskurse, Dialogveranstaltungen und regionale Nachhaltigkeitsaktivitäten für Hochschulen in Afrika, Südostasien und im spanischsprachigen Lateinamerika vor. 

Um weibliche Führungskräfte von Hochschulen im Globalen Süden zu stärken, wird im Rahmen des DIES-Programms ab 2025 ein neuer Trainingskurs zu „Female Leadership” angeboten. Dieser mehrteiligen Blended Learning-Kurs („Leadership Training for Female University Vice-Presidents“) richtet sich an Vizepräsidentinnen von Hochschulen und behandelt neben aktuellen Reformthemen im Hochschulmanagement auch die speziellen Herausforderungen für weibliche Hochschulleitungen. „Im Einklang mit der feministischen Entwicklungspolitik des BMZ adressiert das neue DIES-Angebot weibliche Vizepräsidentinnen, um durch die Stärkung von Repräsentanz und Zugang zu Ressourcen einen nachhaltigen institutionellen Wandel zu befördern“, erläutert Tobias Wolf, Referatsleiter Partnerschaftsprogramme, Alumniprojekte und Hochschulmanagement in der Entwicklungszusammenarbeit.

Auch die Bundesregierung unterstreicht in ihrer Gleichstellungsstrategie und durch Vorgaben von Geschlechterquoten bei der Besetzung von Führungspositionen in großen Unternehmen, dass Gleichstellung allein nicht ausreicht, um Chancengerechtigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen sicherzustellen. Dies gelingt nur, wenn Führungspositionen gleichberechtigt besetzt sind. Beobachtungen zeigen, dass sich ab einem Frauenanteil von etwa 30 Prozent tatsächlich etwas bewegt in Unternehmen, denn ab dieser Größenordnung verändert sich die Wahrnehmung. Es gibt dann genug Frauen, um Entscheidungen und Prozesse zu beeinflussen. 

Ulrike Scheffer (29. April 2024)

 

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